Review: „Agents of Mystery“ – Staffel 2 (Netflix)

Nachdem ich bereits Staffel 1 von „Agents of Mystery“ hier im Blog rezensiert hatte, ist es nur folgerichtig, dass ich auch die zweite Staffel einordne. Fast zwei Jahre mussten Fans der außergewöhnlichen Rätsel-/Escape-Geschichten auf neue Fälle warten, seit 27. Februar sind die neuen Folgen auf Netflix verfügbar. Statt zwei gibt es in der neuen Staffel dafür aber sogar drei Fälle mit jeweils drei Episoden und rund 2-3 Stunden Erzählzeit.

XIN vs NIX

Dass in der neuen Staffel einiges anders werden würde, wird schnell klar. Zum einen, weil mit Gabee ein Neuling im Cast vertreten ist, vor allem aber, weil eine neue Gegen-Organisation eingeführt wird. Unseren XIN-Agent:innen steht die Gruppierung NIX entgegen – eine interessante übergreifende Story-Komponente.

Der erste Fall ist meiner Meinung nach noch mit der schwächste, da er ein von einer ominösen Story und viel Konzept zusammengehaltener Fundus an Einzel-Spielchen ist. Dabei gibt es durchaus gute Momente zu sehen, sowie einige gar epische Durchhaltemomente für die Gruppe, aber für das Publikum ergeben sich auch zähe Passagen. Außerdem ist mir vereinzelt aufgefallen, dass koreanische Schriften nicht übersetzt wurden (das ist in den anderen beiden Fällen etwas besser, auch wenn immer mal englische Untertiteln über den koreanischen Schriftzeichen liegen). Ach ja – die Staffel gibt es bislang lediglich in englischer Synchronisation, erneut keine deutsche. Der finale Raum ist zudem total underwhelming und alles andere als ein großer Höhepunkt.

Gruselige Stimmung, stark inszeniert

Dass der erste Fall an den Beginn der Staffel gesetzt wurde, dürfte auch damit zusammenhängen, dass er noch der am wenigsten schockierende ist. Dort gibt es lediglich wenige überraschende Momente, die weiteren beiden Fälle sind dagegen nichts für Zartbesaitete. Das ist für mich persönlich grundsätzlich kein Problem und ist für einige intensive Momente gut (sowohl für die Teilnehmenden als auch die Zuschauenden), aber ohne diesen teils gar Horror-Charakter könnte das Format viel mehr Leute ansprechen. Vielleicht wären Themen-Fälle oder -Staffeln eine bessere Umsetzung (so dass ich es dann auch komplett gemeinsam mit meiner Frau schauen kann…).

„I usually either run or scream – not both. And then… I ran while screaming for the first time.“ – Gabee

Neben dem starken Grusel-Anstrich fällt vor allem die nochmal hochwertigere und aufwendiger gestaltete Inszenierung der Fälle auf. Alleine, wie viele Statist:innen beteiligt sind und koordiniert gehören, ist vor allem beim zweiten Fall beeindruckend. Beim dritten Fall meint man gar, komplett in einer düsteren Krimigeschichte gelandet zu sein, da vieles an realen Locations und innerhalb einer großen Dorfanlage spielt. Hier hilft natürlich auch, dass – bis auf Neuling Gabee – die gleichen Leute dabei sind. So lernt man die Charaktere und ihre Eigenarten ähnlich wie Serienfiguren immer näher kennen (und verliebt sich nach und nach mehr in aespa-Mitglied Karina…). Auch die Fantasy- und Science-Fiction-Elemente sind größtenteils wirkungsvoll in Szene gesetzt. Das steigert insgesamt nochmal das Spannungsgefühl erheblich.

Schwere Rätsel treffen auf lustige Momente

Ist die zweite Staffel von „Agents of Mystery“ größtenteils spannend, wissen immer wieder lustige Momente für Auflockerung zu sorgen. Vor allem zu Beginn der Fälle albern die Teilnehmenden gerne herum. Aber auch das Spiel selbst ist für einige originelle Rückbezüge gut, zum Beispiel ein Radio, das plötzlich für schmerzende Erinnerungen sorgt. Allgemein gibt es auch einige kreative Ideen und Überraschungen zu sehen.

„Agents of Mystery“ hebt sich aber auch in Sachen Rätseln von anderen Formaten wie z.B. „The Way Out“ ab. Mir gefällt besonders, wie wenig offensichtlich manche Hinweise versteckt sind. Da scheint die Agentengruppe schon mal eine ganze Weile zu suchen, endlich die entscheidende Stelle entdeckt wird. Man kann zwar nur selten wirklich gut selbst miträtseln (vor allem, sollte man koreanische und chinesische Schriftzeichen nicht lesen können…), aber das ist gar nicht schlimm.

Besonders gefallen hat mir ein zwischendurch aufgekommene Imposter-Ansatz, der einen hat mitdenken lassen, wer aus der Gruppe wohl zwielichtig spielt. Und auch kleine Horoskop-Vorhersagen für die unterschiedlichen Sternzeichen hat mit den Erwartungen gespielt und für kleine Spannungsbögen und Running Gags gesorgt.

Gute rätselhafte Geschichten

Staffel 2 von „Agents of Mystery“ ist eine spürbare Verbesserung zur auch schon guten ersten Staffel. Es gibt einen Fall mehr, die Geschichten sind aufwendiger inszeniert und wissen mit einigen Überraschungen und abwechslungsreichen Elementen aufzuwarten. Der U-Boot-Fall aus Staffel 1 hatte meiner Meinung nach noch den besten Mix aus spannender Geschichte und Escape-Room-Elementen. In der zweiten Staffel konzentriert man sich deutlich mehr aufs Geschichten-Erzählen, was anders, aber ebenso gut anzuschauen ist. Der erste Fall fiel etwas ab, aber insgesamt haben mir die neuen Folgen wieder sehr gefallen. Zu gerne würde ich mal selbst derart aufgezogene Spiele spielen – nur dann vielleicht ohne derartigen Horror-Anstrich.

Eine dritte Staffel von „Agents of Mystery“ ist aktuell noch nicht von Netflix offiziell bestätigt worden, dürfte aber ob des internationalen Erfolges des Formates durchaus realistisch sein. Bleibt nur abzuwarten, ob der Streaminganbieter weiter gewillt ist, die immensen Kosten und Aufwende der Produktion in dieser Form weiterzuführen. Ich würde mich über ein neues Set an Fällen jedenfalls sehr freuen.

Bilder: Netflix / Park Bo-ram

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